Nachbarschaftsinitiative für eine transparente und nachhaltige Entwicklung des RAW-Geländes.

Wir sind RAW

Unser Ziel

Wir setzen uns dafür ein, dass die Interessen der Öffentlichkeit bei der Entwicklung des RAW-Geländes sichtbar werden und in der Debatte angemessen berücksichtigt werden.

Wir wünschen uns mehr echte Mitsprache in den Planungsprozessen und eine stärkere Einbeziehung der Menschen, die das RAW nutzen, dort arbeiten und den Kiez prägen. Dafür entwickeln wir eigene Beteiligungsformate und engagieren uns in Vernetzung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. So bringen wir unterschiedliche Perspektiven zusammen, machen Anliegen sichtbar und tragen dazu bei, dass sie in der weiteren Debatte gehört werden.

Denn das RAW ist bereits ein großartiger Ort. Wir sind überzeugt, dass es noch großartiger werden kann – wenn wir seine gewachsenen Strukturen bewahren, die verschiedenen Bedürfnisse ernst nehmen und die Zukunft gemeinsam gestalten.

R – Raum für Soziokultur sichern

Das RAW-Gelände muss als Ort für Kultur, Sport, soziale Projekte und Freiräume langfristig gesichert und vor Verdrängung geschützt werden.

Der jetzt vereinbarte Zwei-Jahres-Vertrag für das SKL darf nur ein erster Schritt zu einem langfristigen, mindestens 30-jährigen Generalmietvertrag mit fairen Mieten für alle ansässigen Clubs, Kulturprojekte, Vereine, Ateliers, Sportstätten und Lokale sein. Die Kultur, die Berlin als Stadt prägt, muss dringend gefördert anstatt verdrängt werden.

A – Auswirkungen ganzheitlich berücksichtigen

Jede Entwicklung muss ihre sozialen, ökologischen und infrastrukturellen Folgen für den Kiez berücksichtigen – von Verkehr über Verdrängung bis hin zu Klimaresilienz, Entsiegelung und Hitzeschutz.

Nachverdichtung darf nicht auf Kosten des Kiezes gehen, sondern muss sozial verträglich und infrastrukturell tragfähig geplant werden. Statt bestehende soziale, infrastrukturelle und klimatische Belastungen zu verschärfen, sollen Nachverdichtung und Nutzungsänderungen aktiv zur klimatischen Entlastung des Kiezes beitragen.

W – Wir gestalten mit

Anwohnende, Nutzer*innen, Initiativen und die Stadtgesellschaft müssen frühzeitig, transparent und verbindlich an der Zukunft des RAW beteiligt werden.

Dafür wünschen wir uns einen festen Ort direkt auf dem RAW-Gelände: einen Raum für Information, Diskussion, Ausstellungen und offene Planungswerkstätten, an dem Planungen für uns alle nachvollziehbar werden und Mitsprache gelebt wird.

Das RAW

Seinen Namen verdankt das RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain dem Reichsbahnausbesserungswerk, das hier ab 1867 entstand. Über mehr als ein Jahrhundert wurden auf dem Areal Lokomotiven und Eisenbahnwaggons gewartet und repariert. Es gehörte zu den wichtigsten Eisenbahnbetrieben Berlins und beschäftigte zeitweise Tausende Menschen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk Teil der staatlichen Deutschen Reichsbahn der DDR und spezialisierte sich auf die Instandhaltung und Modernisierung von Güterwagen und anderen Eisenbahnfahrzeugen.

Bis in die 1980er Jahre war das RAW ein bedeutender Industriebetrieb Ost-Berlins. Nach der Wiedervereinigung verlor es jedoch seine Funktion: Mit der Zusammenlegung von Reichsbahn und Bundesbahn gingen die Aufträge zurück, die Werkstätten wurden schrittweise stillgelegt. Zurück blieb eine riesige Industriebrache mitten in der Stadt.

In den späten 1990er Jahren begannen Künstler*innen, Clubs und soziale Projekte, die leerstehenden Gebäude für sich zu nutzen. Statt nach einem Masterplan entwickelte sich das Gelände organisch: Clubs zogen in Werkhallen ein, Ateliers entstanden neben Sportprojekten, und das RAW wurde zu einem der wichtigsten Rückzugsorte der Berliner Subkultur. Seit den 2000er Jahren ist es fest im kulturellen Leben Berlins verankert.

Teile des Geländes stehen heute unter Denkmalschutz. Zwar dokumentieren die historischen Werkstätten, Industriehallen und weiteren Gebäude der ehemaligen Reichsbahn-Reparaturwerkstatt Berlins Industrie- und Stadtgeschichte insgesamt – geschützt als Denkmäler sind aber nur wenige Gebäude entlang der Revaler Straße sowie der „Kegel”, ein ehemaliger Zivilschutzbunker.

Rund um das RAW

Seit Mitte der 2010er Jahre wird die Zukunft des RAW-Geländes vor allem zwischen dem Eigentümer Kurth Immobilien, dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den ansässigen Projekten ausgehandelt.

Der westliche, rund zwei Drittel große Teil des Geländes ging 2014 per Kaufvertrag an die Göttinger Kurth Immobilien GmbH; der Eigentumsübergang erfolgte 2015. Im Frühjahr desselben Jahres trat der neue Eigentümer öffentlich mit dem Versprechen auf, das RAW „behutsam” zu entwickeln, den Kulturstandort in seinem Charakter zu erhalten und dabei Bezirk, Mieter*innen und Interessenverbände einzubeziehen.

Ab 2017 begann ein kooperatives Dialog- und Planungsverfahren zur Zukunft des Geländes, das 2018 mit drei öffentlichen Dialogwerkstätten intensiviert wurde. Anwohner*innen, Nutzer*innen, Eigentümer und Bezirk diskutierten gemeinsam über die städtebauliche Entwicklung. Dabei zeichnete sich ein breiter Konsens für den Erhalt soziokultureller Angebote, öffentlicher Räume und der gewachsenen Nutzungen ab. Diese Ergebnisse fanden in den darauffolgenden Verhandlungen bis heute leider nur wenig Niederschlag.

Ebenfalls 2018 gründeten Nutzer*innen und Betreiber*innen die RAW Kultur L e.G. als Genossenschaft, um die soziokulturellen Angebote auf dem Gelände zu vernetzen und langfristig zu sichern. Das sogenannte Soziokulturelle L – ein Ensemble aus Kultur, Sport, Gastronomie, Ateliers, Werkstätten sowie Angeboten für Kinder und Jugendliche – wurde damit zu einem zentralen Akteur in den weiteren Verhandlungen über die Zukunft des RAW.

Hier findet ihr die wichtigsten Anlaufstellen, Positionen und weiterführenden Infos:

Aktiv werden

  • Sprecht miteinander über die aktuelle Situation. Teilt eure Erfahrungen, Argumente und Geschichten darüber, warum diese Orte für euch und den Kiez wichtig sind.
  • Nutzt die Angebote auf dem RAW-Gelände, folgt den beteiligten Projekten und Orten in den sozialen Medien, teilt ihre Beiträge und unterstützt sie so ganz konkret.
  • Macht das Thema sichtbar: Schreibt Kommentare, Leser*innenbriefe oder eigene Beiträge in den sozialen Medien und erzählt, was das RAW für euch bedeutet.
  • Wendet euch an die Politik: Kontaktiert die Politiker*innen und Verantwortlichen, die mit der Zukunft des RAW befasst sind, und macht deutlich, warum euch der Erhalt dieser Orte wichtig ist.
  • Unterstützt die Initiativen vor Ort: Kommt zu Demonstrationen und Kundgebungen und beteiligt euch an gemeinsamen Aktionen.